Was sagt das Grundgesetz eigentlich aus - welche Sätze im Grundgesetz sprechen uns an und berühren uns? Das war die grundlegende Fragestellung in diesem Projekt im vierten Jahrgang. Bei dieser Einheit ging es darum, einen emotionalen Zugang zum Thema Demokratie zu finden, politische Prozesse nicht nur rational zu erschließen, sondern auch als etwas Erlebbares und Mitgestaltbares zu begreifen.
Ihre Emotionen, Träume und Visionen konnten die Kinder in selbstgestalteten Traumgläsern ausdrücken. Themen in den Traumgläsern waren zum Beispiel: Tierwohl, Schutzgebiete für Regenwälder und Ozeane, Wasserverschmutzung in Kriegsgebieten am Beispiel Ukraine, Müllvermeidung, Frieden für Palästina, Schutz von Minderheiten am Beispiel der LGBTQ-Bewegung, mehr Unterstützung für Tierschutzorganisationen,….
Im weiteren Verlauf der Einheit wurden Artikel 1, Artikel 3 aus dem Grundgesetz und die Friedenspräambel besprochen, inhaltlich erarbeitet und die Kinder gestalteten Bilder dazu.
Wie aus einer Idee eine Ausstellung für alle wird
Eine Schülerin verfasste spontan eine Rede über die Bedeutung von Frieden für ihre Mitschüler und eine andere Schülerin brachte von zuhause ein Notizbuch mit zum Eintragen von Einfällen und Gedanken zu unserer demokratischen Verfassung. Durch diese Eigeninitiative entstand im Klassenrat die Idee einer Demokratie-Ausstellung für die gesamte Schulgemeinschaft, deren Umsetzung die Kinder im weiteren Verlauf mit Begeisterung verfolgten. Diese Teilhabe, Selbstwirksamkeitserfahrungen, Empathie und die Entwicklung von positiven Visionen für politische Prozesse waren wesentliche Aspekte des Demokratie-Projektes.
Im nächsten Schritt lernten die Schüler demokratische Beteiligungsformen kennen. In selbstgewählten Gruppen beschäftigten sie sich in diesem Zusammenhang mit den Themen Demonstration, Petition, Demokratie schützen und Ehrenamt. Dabei haben sich die SchülerInnen den Beteiligungsmöglichkeiten inhaltlich besonders über Beispiele aus der eigenen Gemeinde und den eigenen Erfahrungen angenähert (Teilnahme der Schule an Demonstrationen der Fridays for Future-Bewegung in Wennigsen, Petitionen auf der Website der Gemeinde Wennigsen, Partizipation der GS Wennigsen an Aktionstagen zum Thema „Demokratie schützen“ und Möglichkeiten für ein Engagement im Ehrenamt im eigenen Dorf)
An der abschließenden Ausstellung wurden die Arbeitsergebnisse als fester Bestandteil der Ausstellung für alle frei zugänglich in der Schulaula vorgestellt und die gesamte Schulgemeinschaft inklusive SchülerInnen, LehrerInnen, InklusionshelferInnen und interessierten Eltern wurde beteiligt. Neben den Arbeitsergebnissen, den Traumgläsern und der würdevollen Präsentation von Artikel 1 in einer goldverzierten Schatzkiste, wurde auch das Notizbuch ausgelegt, in welches sowohl Kinder als auch Erwachsene ihre Gedanken zur Demokratie eintrugen. Alle Kinder von Klasse 1 bis 4 und alle KlassenlehrerInnen lasen die „Friedensrede“ einer Mitschülerin, malten ihr persönliches Zeichen für den Frieden und hängten dieses rund um die Friedenspräambel auf.
Unsere Zielsetzung, einen altersangemessenen und emotionalen Zugang zum Thema Demokratie zu finden, bewerten wir als gelungen. Damit Demokratieerziehung in Schule gelingen kann, ist es sicherlich generell wichtig, dass politische Inhalte nicht nur den Verstand ansprechen , sondern Werte wie Hoffnung, Zugehörigkeit und Mitgefühl aktivieren.
Dazu möchten wir abschließend zwei von vielen positiven Rückmeldungen zitieren, die die Kinder für ihre Arbeit bekamen:
Eine Kollegin sagte zu den SchülerInnen: „Wenn ich an eurer Ausstellung vorbeigehe,
bekomme ich jedes Mal eine Gänsehaut. So gut gefällt mir das.“
Eine Zweitklässlerin steht am Ausstellungstisch und flüstert: „Ihr habt auch an die Menschen in Palästina gedacht. Dort leben meine Großeltern.“